2015/16

Durchs Tief zum Titel mit Lars Leuenberger

Aus der Analyse der Saison 2014/15 waren vor allem zwei Bedürfnisse hervorgegangen: das Team sollte nochmals mehr Leadership erhalten und über stärkere offensive Durchschlagskraft verfügen. Entsprechend wurden die personellen Massnahmen im Hinblick auf die Saison 2015/16 getroffen. Dies galt vor allem für den Bereich der ausländischen Spieler. Erstmals verzichtete der SCB auf die Verpflichtung eines ausländischen Verteidigers und setzte neben Chuck Kobasew auf drei weitere Stürmer. Dabei wurden mit Andrew Ebbett und Trevor Smith zwei ausgesprochene Leadertypen verpflichtet und mit Cory Conacher ein Scorer. Zudem kamen mit Goalie Janick Schwendener, den Verteidigern Timo Helbling, Gian-Andrea Randegger und Ramon Untersander sowie Stürmer Simon Bodenmann fünf Schweizer Spieler neu ins Team.

 

Die Absicht des Trainers Guy Boucher war, die Mannschaft mit den zahlreichen neuen Spielern im Verlauf der Regular Season auf solider Basis zusammenwachsen zu lassen und dann die Bestleistung in den Playoffs abzurufen. Doch es kam anders. Es wurde die wohl turbulenteste Saison des SCB seit Einführung der Playoffs. Es fing damit an, dass Torhüter Marco Bührer seine 15. Saison beim SCB wegen einer Fussverletzung nicht im Vollbesitz seiner Kräfte in Angriff nehmen konnte. Im Verlauf der ersten beiden Monate verschärfte sich die Situation mit den Langzeitausfällen von Ebbett, Kobasew und Smith sowie zahlreichen weiteren Verletzungen. Der SCB verpflichtete als Ersatzausländer die NHL-Cracks Derek Roy und Sean Bergenheim, kam aber weiterhin nicht vom Fleck. Gleich nach der Novemberpause musste dann Marco Bührer in seinem 800. Spiel für den SCB wegen seiner Fussbeschwerden definitiv forfait geben.

 

Wenige Tage später wurde Guy Boucher freigestellt, für ihn übernahm der bisherige Assistent Lars Leuenberger. Unter ihm verschärfte sich die Verletztensituation weiter. Der als Ersatz für Marco Bührer verpflichtete Daniel Manzato verletzte sich bereits in seinem ersten Spiel. In diesem Stil ging es weiter. Phasenweise fehlten bis zu zehn Spieler. Mit dem Finnen Mikko Kousa wurde ein ausländischer Abwehrspieler engagiert und Mitte Dezember wurde die achte und letzte Ausländerlizenz für Torhüter Jakub Stepanek gelöst. Zu Beginn des neuen Jahres verletzte sich auch noch Eric Blum, der produktivste Abwehrspieler. Es folgten sieben Niederlagen in Serie und der Fall aus den Playoff-Rängen auf Platz 9. Erst in der vorletzten Qualifikationsrunde gelang die Befreiung mit der Playoff-Sicherung dank einem 3:2-Heimsieg gegen Lausanne, den direkten Konkurrenten im Rennen um den letzten Playoff-Platz.

 

Der SCB musste nun im Viertelfinal gegen den souveränen Leader ZSC Lions antreten und startete mit einem glücklichen 4:3-Sieg nach Penaltyschiessen. Im Nachhinein erwies sich dieser überraschende Erfolg als Startschuss zu einem Lauf, den kein Gegner mehr bremsen konnte. Die haushohen Favoriten ZSC Lions wurden nicht zuletzt dank besserem Coaching auf Berner Seite mit 4:0 gebodigt, dann revanchierte sich der SCB gegen den HC Davos für die 0:4-Halbfinalniederlage aus dem Vorjahr mit einem satten 4:1. Dabei steckten die Berner die 1:7-Schlappe im dritten Spiel in Davos locker weg. Im Final verlor der SCB dann gegen Lugano das Startspiel, gewann aber die folgenden drei Spiele jeweils mit einem Tor Differenz und feierte am 12. April in Lugano nach dem game winner von Derek Roy acht Minuten vor Schluss mit einem 3:2-Sieg den 14. Meistertitel der Clubgeschichte. 12:2 Siege, davon 11 mit einem Tor Differenz, 5 nach Verlängerung und 1 nach Penaltyschiessen standen am Ende auf der Resultatstatistik.

 

Vor allem drei Faktoren zeichneten für den grossartigen, noch wenige Wochen zuvor kaum denkbaren Erfolg verantwortlich: Goalie Jakub Stepanek war ein ungemein zuverlässiger Rückhalt und vor allem die Ruhe selbst, Lars Leuenberger und sein Assistent Marco Bayer setzten permanent auf vier Blöcke und coachten das Team optimal, und die Spieler erwiesen sich als geschlossene und stets entschlossene Gruppe, die sich durch nichts aus dem Konzept bringen liess.

 

Mit 16'316 Zuschauern im Durchschnitt der 31 Spiele in der PostFinance-Arena und total 9 ausverkauften Heimspielen übertraf der SCB zum 9. Mal in Serie die 16’000er-Grenze und war zum 15. Mal hintereinander Europas Publikumsmagnet Nummer 1.

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